DKW im Interview

Die aktuelle Ausgabe des Greifswalder Studierenden Magazins Moritz beschäftigt sich in einem Artikel mit dem Phänomen Banksy. In diesem Text von Luisa Pischtschan über den Film „Exit Through The Gift Shop“ kommt auch Daklebtwas zu Wort. Das per E-Mail geführte Interview sei der Vollständigkeit halber hier wiedergegeben:

Wie habt ihr den Film empfunden?

A*: Beim ersten mal ist der Film wirklich übel: Banksy selbst kommt kaum vor und Thierry Guetta ist mit seinem komplett kommerziellem Kunstanspruch nur wirklich schwer zu ertragen. Im Nachhinein wirkt der Film allerdings großartig da er der gesamten kommerziellen Kunstszene den Stinkefinger zeigt.
B: Sich vorzustellen wie den bekennenden Banksy-Sammlern Brad Pit und Agelina Jolie bei der Premiere die Kinnlade runter klappt ist einfach nur herrlich.

Gibt es Streetart in Greifswald?

C: Wer mit offenen Augen durch Greifswald geht kann jede menge kleiner Kunstwerke und eigentlich alle Formen der Streetart entdecken. Von bunt bemalten Laternen/Bänken/Pollern/Stromkästen und Regenrinnen über Aufkleber, Kacheln, Pasteups und Stencils in allen Formen, Farben und Größen. Auch an ungewöhnlichen Orten gepflanzte Sonnenblumen und Seedbombs also Guerillia Gardening gibt es in Greifswald.
B: Wir wohnen in einer Kleinstadt und entsprechend ist auch die Szene hier. Andererseits ist es immer wieder schön in persönlichen Gesprächen die Künstler zufällig kennen zu lernen.
C: Auch kann man zu jedem Semesterstart beobachten wie 1-2 neue Menschen hinzukommen und in der Stadt mitmischen.
A: Ein gutes Beispiel für die Vielfältigkeit der Straßenkunst in Greifswald war die Free-Art-Aktion auf dem Wall.

Schonmal Ärger mit der Polizei gehabt?

B: Klar, direkt beim allerersten Ausflug mit der Dose von der Polizei aufgegriffen worden…aber das passiert wenn man meint es ist eine gute Idee sich vorher Mut an-trinken zu müssen. Ausserdem war das Ergebnis so schlecht, dass die Karriere als Streetartist direkt verworfen und seit dem nur noch dokumentiert wurde.

Selber Erfahrungen mit Streetart, woher stammen die Ideen?

A: Den Stein zum Anstoß hat tatsächlich das Buch „Wall and Peace“ von Banksy geben. Wir waren überwältigt von der fülle der Ideen, den politischen Statements und Umsetzungen. zB. eine falsche Haiflosse in einem Londoner Parksee zu platzieren…einfach großartig.
C: Inspirationen erhält man oft durch Begegnungen im Alltag, durch den Wunsch, Aufmerksamkeit zu erregen und den Leuten ein Augenzwinkern mit auf den Weg zu geben.
Ideen zur Umsetzung gibt es im Internet zuhauf und dank diverser Grafikprogramme ist es auch jedem Laien und zeichnerisch Unbegabtem möglich sich auszudrücken.

Gibt es Legale Möglichkeiten in Greifswald?

A: Soweit bekannt gibt es nur die Wall of Fame am Ryck und selbst nach mehrmaligem Anrufen bei der Stadt war nicht in Erfahrung zu bringen ob nun verhaftet wird wer dort malen will oder ob es geduldet ist. Besonders gelungen war die Aktion des Graffiti-Atelier 2009 bei der die ganze Fläche an einem Tag neu gestaltet wurde. Das ganze mit Grill und Musik. Wirkliche Graffiti-Events fehlen hier auf jeden Fall.

Eure Definition von Streetart?

just

C: Individuelle Ausdrucksform im Urbanen Raum die durch ihre Platzierungen und Gestalt (fast) immer politisch ist. Ob nun der Schriftzug „glotze macht hirntot“ am TV Geschäft oder die küssenden Burschies am Asta. Streetart ist eng mit linker Protestkultur und dem D.I.Y. Gedanken verknüpft. Dass Streetart irgendwie cool ist und auch als Propaganda-Form dient beweisen nicht zuletzt die Schmierereien der nachahmenden Vollpfosten von den so genannten „Autonomen Nationalisten Greifswald“ die in letzter Zeit verstärkt mit Dose und Stift ihre hohlen Phrasen und Parolen in die Stadt getragen haben.
A: Auch die Werbebranche ist auf den Zug aufgesprungen und versucht mit sog. viralem Marketing über Streetart (also in dem Falle Auftragsarbeiten) junge Kundschaft zu werben und sich hipp und trendy zu geben.

Was ist die Daklebtwas-Plattform?

B: Der Blog daklebtwas.blogsport.de und die entsprechenden Flickr Accounts und Gruppe sind als offenes Mitmach-Projekt konzipiert. Bisher gibt es fast 300 Fotos aus Greifswald zu sehen. Einsendungen sind immer willkommen und ohne die Mithilfe der vielen Leute währen es auch noch lange nicht soviel Fotos geworden. An dieser Stelle besten Dank fürs mitgestalten!

Wollt ihr zum Schluss noch was loswerden?

A: Kleiner Hinweis an die Leute da draußen: bei Axel Hochschild (seines Zeichens Malermeister und selbsternannter Law and Order Cheff in Greifswald) sitzen am Wochenende schon mal bis zu 6 Zivilpolizisten.
B: Kürzlich festgestellt das der wunderbare Film „wholetrain“ komplett auf der Videoplattform mit Y zur Verfügung steht. Sehr empfehlenswert für alle die ein wenig tiefer in die Materie einsteigen wollen!
C: Wer sich zweimal überlegt an welcher stelle sein tag/peace/stencil besonders gut zur Geltung kommt tut nicht nur sich einen gefallen.

* Namen von der Redaktion geändert





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